Memoriam Claus Fritzsche, †14.1.2014 - www.homoeopathie-zertifikat.de

Memoriam Claus Fritzsche, †14.1.2014

 

Warum tat er das, werden manche fragen? Er hat über seine Motive öffentlich geschwiegen.

Ich hatte ganz zu Anfang unserer Zusammenarbeit ein langes Gespräch mit ihm zu diesem Thema. Er sagte mir, dass er, nach einer langen Karriere in der IT- und Technik-Branche, ausgepumpt und seelisch am Ende gewesen sei und durch eine ganzheitliche Behandlung wieder Lebensqualität gefunden habe, die ihm alle zuvor konsultierten Ärzte nicht hatten geben können. Das habe ihn dazu bewogen, in diesem Bereich eine neue Aufgabe zu suchen. Er hat sich als Autodidakt in den Journalismus begeben. Mit seinem klugen Verstand und seiner raschen Auffassungsgabe ist ihm das auf jeden Fall so gut gelungen, dass seine Recherchen solide waren und seine Artikel Resonanz erzeugten, auch und gerade bei denen, die anderer Meinung waren.

Er hatte daher unter Attacken zu leiden: manche Blogs und illegale Webseiten, von denen Journalisten mit zweifelhafter Integrität immer noch gerne zitieren, machten ihn zum Lieblingsfeind; er wurde auf Wikipedia-ähnlichen Schmähseiten diffamiert. Es wird wirtschaftlich für ihn nicht leicht gewesen sein. Daher war er glücklich, als er für sein Konzept Sponsoring von naturheilkundlichen Pharmaherstellern eingeworben hatte, die an einer ausgewogenen Berichterstattung interessiert waren. Denn das hätte ihm, wäre es dabei geblieben, ein Auskommen bereitet.

Das änderte sich durch einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 30.6.2012. Der Artikel warf den Firmen vor, schlechten und tendenziösen Journalismus zu unterstützen, um ihre wirtschaftlichen Interessen zu sichern. Der Artikel hatte zur Folge, dass sich einige der Sponsoren von Fritzsche zurückzogen. Was Claus Fritzsche besonders getroffen hatte, das weiß ich aus einem Telefonat mit ihm, war, dass in dem Artikel der Inhalt einer Email verwendet worden war, die er an mich geschickt hatte. Sie konnte nur durch das Abfangen der Mail durch Dritte öffentlich geworden sein, da weder er noch ich sie an Andere weitergegeben hatten.

Ein Suizid ist natürlich fast nie auf ein einziges Ereignis zurückführbar. Meistens leiden Menschen, die sich selber das Leben nehmen, über lange Zeit unter den vielfältigsten Einflüssen. Und manchmal kann dann ein unscheinbares und für sich genommen relativ belanglos erscheinendes Ereignis das Fass zum Überlaufen bringen. So wohl auch hier.

Die öffentlichen Angriffe waren ein letzter Tropfen zu viel in das bereits ziemlich volle Fass eines hochsensiblen und seit geraumer Zeit melancholischen Menschen. Seine wirtschaftliche Basis war schwach, seine Schulden nahmen zu, eine Perspektive war nicht in Sicht. Ein anderer hätte sich vielleicht eine andere Aufgabe gesucht. Claus Fritzsche nahm sich am 14.1.2014 das Leben.

Dies ist ein persönlicher Nachruf, den ich im gleichen Wortlaut auf meiner persönlichen Homepage veröffentlicht habe: http://harald-walach.de/2014/02/24/in-memoriam-claus-fritzsche/
Harald Walach

 

Über den Autor

prof.dr.dr.harald walach-avatarProf. Dr. Dr. Harald Walach

Der klinische Psychologe, Philosoph und Wissenschaftshistoriker Harald Walach ist Professor für Forschungsmethodik komplementärer Medizin und Heilkunde und Leiter des Instituts für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG) an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Er gilt in Fachkreisen als Forscherpersönlichkeit mit einem exzellenten Ruf und wird in der Zeitschrift „Explore“ als „einer der herausragendsten europäischen Forscher auf dem Gebiet der Komplementär- und Alternativmedizin“ bezeichnet.